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CPM richtig kalkulieren: warum 1,50 € für DACH-Shorts realistisch ist.

Lange Media · 1. April 2026 · 8 min Lesezeit

Wenn ein Clipper das erste Mal hört, dass ein Briefing 1,50 € pro 1.000 Views zahlt, ist die Reaktion oft Skepsis. In US-Foren werden 4 oder 5 Dollar erwähnt. Auf TikTok schwirren Screenshots mit fünfstelligen Auszahlungen herum. Wieso ist DACH so viel niedriger?

Die kurze Antwort: weil die Plattformen weniger zahlen. Die lange Antwort braucht ein bisschen Mathematik. Wir gehen sie durch, von oben nach unten.

1. Was Creator von der Plattform bekommen

Fangen wir an der Quelle an. Wenn ein Creator in DACH einen Short auf YouTube uploaded, fließt ein Teil der Werbeerlöse zurück. Die genauen Zahlen sind volatil, aber unsere interne Stichprobe aus 14 deutschen Channels über die letzten sechs Monate sieht so aus:

Das ist die brutale Wahrheit, die in den US-Threads selten gesagt wird: was ein Creator von der Plattform direkt kassiert, reicht nicht, um Clipper auskömmlich zu bezahlen. Niemals.

2. Wo kommt das Geld dann her?

Aus drei Quellen, die zusammen die Clipper-Ökonomie tragen:

  1. Brand-Deals und Sponsoring. Ein Creator hat einen 30.000-€-Sponsor für seine Hauptshow. Der Sponsor möchte Reichweite. Clipper produzieren genau diese Reichweite. Ein Teil des Sponsor-Budgets wird als CPM weitergereicht.
  2. Funnel-Wert. Jeder neue Abonnent eines Podcasts ist langfristig zwischen 8 € und 25 € wert (Lifetime-Value über Werbung, Merch, Premium-Abo). Wenn 1.000 Views einen einzigen neuen Abonnenten bringen, hat sich ein 1,50-€-CPM bereits amortisiert.
  3. Eigener Shop und Premium. Course-Creator, Coaches, SaaS-Founder bringen ihren eigenen Sales-Funnel mit. Hier ist der CPM oft höher, weil die Marge auf den Endprodukten signifikant ist.

Der CPM, den ein Clipper im Marketplace sieht, kommt also nicht aus YouTubes Werbeeinnahmen. Er kommt aus dem ökonomischen Wert, den der Creator aus seiner verlängerten Reichweite zieht.

3. Die Rechnung für DACH

Nehmen wir einen mittelgroßen deutschen Business-Podcast. 250.000 Downloads pro Monat in der Hauptshow. Sponsoring-Markt zwischen 14.000 € und 22.000 € im Monat, je nach Quartal. Ein realistisches Szenario sieht so aus:

Sponsoring-Budget: 18.000 €/Monat
Anteil für Distribution (Clipper-Pool): 8% bis 12%, also rund 1.800 €
Erwartete Reichweite aus Clips: 1.000.000 Views/Monat
Maximaler tragbarer CPM: 1,80 €/1.000 Views

Das ist die Decke. Darüber wird der Deal für den Creator unwirtschaftlich. Darunter bleibt Spielraum, aber zuviel Spielraum erzeugt schwache Ausschüttung an die Clipper. Wir kalibrieren CPM standardmäßig auf 1,50 €, mit Aufschlägen bis 3,50 € für Briefings, die hohe Sales-Konversion haben.

4. Was das für den einzelnen Clipper bedeutet

Ein produktiver Clipper schafft 12 bis 20 Clips pro Woche, die durchs Review kommen. Konservative Reichweiten-Annahme pro Clip: 8.000 Views nach 30 Tagen. Optimistische Annahme: 50.000 Views.

Konservative Rechnung:

Optimistische Rechnung (ein Clip geht viral):

Beides ist real. Wir sehen beides in unseren Auszahlungs-Statistiken. Der Median liegt zwischen 600 € und 1.400 € pro Monat für Clipper, die zwei bis drei Briefings parallel laufen lassen.

5. Was passiert, wenn DACH-CPM steigt

Es gibt zwei Wege, wie CPM strukturell höher werden kann. Beide sind langsam.

Erstens: die Plattformen zahlen mehr. Bei YouTube ist das absehbar, weil Shorts inzwischen den Hauptkonsum-Mode darstellen und ad-load steigt. Bei TikTok ist es politisch unsicher. Bei Instagram ist es Wunschdenken.

Zweitens: deutsche Brands lernen, wie man Short-Form bewertet. Das passiert langsam, aber konsequent. Die Performance-orientierten Brands haben begriffen, dass eine TikTok-Welle einen Funnel öffnet, den Linear-TV nicht mehr erzeugt. In zwei bis drei Jahren werden CPMs in DACH bei Performance-Briefings 2,50 € bis 4 € sein. Heute sind sie es noch nicht.

6. Warum wir CPM transparent ausweisen

Im LUCC-Marketplace siehst du den CPM jedes Briefings, bevor du dich einträgst. Keine versteckte Marge, keine "wir besprechen das später"-Manöver. Das ist eine bewusste Entscheidung. Ein Clipper, der weiß, was er pro Clip verdient, kann seinen Output planen. Ein Clipper, der raten muss, kalkuliert defensiv und liefert weniger.

Transparenz ist ein Effizienz-Mechanismus. Sie ersetzt Vertrauen durch Zahlen.

Was als nächstes

Im nächsten Beitrag gehen wir auf VOD-Workflows ein. Wie du aus einer 4-stündigen Twitch-Aufzeichnung drei brauchbare Clips ziehst, ohne 18 Stunden im Editing zu versinken.